Erneuerbare Energien in Marokko

Die Herstellung von Elektrizität war bis 1997 das Monopol des Office National de l’Electricité (ONE, seit 2011 ONEE), das für die gesamte öffentliche Daseinsvorsorge auf diesem Gebiet zuständig war. Angesichts des wachsenden Energiebedarfs im Land und der Schwierigkeiten des Staates, genügend Kapital für die Bewältigung dieser Herausforderung zu mobilisieren, wandte sich ONEE an private Akteure, um Wärmekraftwerke und später auch Windparkanlagen zu realisieren. Dies geschah mittels Langzeitenergielieferungsverträgen zwischen dem privaten Partner und ONEE, wobei der private Partner verpflichtet wurde, das Kraftwerk zu betreiben und die gesamte erzeugte Energie an ONEE zu verkaufen, das sich zur Abnahme verpflichtete.

Dagegen war es vor 2011 für einen unabhängigen Energieerzeuger juristisch nicht möglich, ein Kraftwerk zu betreiben und die Elektrizität an private Großkunden in Marokko zu verkaufen. Diese Möglichkeit besteht seit Verabschiedung des Gesetzes Nr. 13-09 hinsichtlich erneuerbarer Energien, welches durch das Dahir vom 18.03.2010 und seine Anwendungsdekrete 2011 in Kraft getreten ist.

Heute existieren vier verschiedene Möglichkeiten, erneuerbare Energie in Marokko zu erzeugen:

  • Elektrizitätserzeugung durch ONEE;
  • Elektrizitätserzeugung durch Konzession mit exklusiverer Belieferung von ONEE;
  • Elektrizitätserzeugung zum Eigenverbrauch mit der Verpflichtung, den Überschuss an ONEE zu liefern;
  • Elektrizitätserzeugung im Rahmen des Gesetzes Nr. 13-09 hinsichtlich erneuerbare Energien (Dahir vom 18.03.2010), das die Liberalisierung der Elektrizitätserzeugung durch erneuerbare Energien vorsieht.

Die wichtigsten EEE-Projekte involvieren private Partner, die Elektrizitäts-Liefer- und Abnahmeverträge mit ONEE oder MASEN geschlossen haben, wobei MASEN ein Staatsbetrieb für die Entwicklung von Solarstrom ist. Es handelt sich dabei um die Projekte Tarfaya (300 MW), Koudia al Beida (50 MW), Taza (150 MW) und Ouarzazate (160 MW).

In zunehmendem Maße gewinnen jedoch auch unabhängige Projekte an Bedeutung. Diese werden von marokkanischen oder ausländischen Investoren vorangetrieben, die Windparks entwickeln und an Großabnehmer von Energie herantreten (z. B. Zement-, Stahl- und Textilbetriebe sowie Eisenbahnbetreiber), um mit diesen Elektrizitätsversorgungsverträge abzuschließen. Gleichzeitig müssen jedoch auch Verträge mit ONEE geschlossen werden, das weiterhin für das Stromnetz, die Netzzugangsbedingungen und den Stromtransport verantwortlich ist.

Diese unabhängigen Projekte werden in Zukunft weiter zunehmen, da es ein Windenergie-Erzeugungspotential von 25.000 MW gibt, die rechtlichen Rahmenbedingungen immer günstiger werden und es ständig mehr Großverbraucher von Energie in der Industrie gibt, insbesondere im Norden Marokkos.

Speak Your Mind

*