Erneuerbare Energien in Marokko

Arm an fossilen Brennstoffen, aber gesegnet mit einem beträchtlichen Potential an Sonnen- und Windenergie, hat das Königreich Marokko sich dazu entschlossen, diese erneuerbaren Energiequellen zu nutzen und zukünftig einen bedeutenden Anteil seines Energiebedarfs hierüber zu decken.

Bei der Umsetzung dieser politischen Grundentscheidung nehmen zwei staatliche Akteure eine Vorrangstellung ein: das Nationale Amt für Elektrizität und Trinkwasser (Office National de l’Electricité et de l’Eau Potable (ONEE), der öffentlichen Stelle, die für die Produktion, den Transport und die Verteilung von Strom zuständig ist, und MASEN, ein Staatsbetrieb, dem es obliegt, Projekte zur integrierten Entwicklung von Sonnenenergie zu konzipieren und umzusetzen.

Zur Realisierung dieser Energiepolitik sieht das marokkanische Recht im Wesentlichen drei verschiedene Modelle vor, nach denen Energieerzeuger handeln können.

Zunächst zu nennen ist das Konzessions-Modell. ONEE (für die Windkraft) und MASEN (im Bereich der Photovoltaik) übertragen einem Stromerzeuger nach einer öffentlichen Ausschreibung für 22 oder 23 Jahre die Planung, Finanzierung, Erstellung und Nutzung eines Windparks oder einer Photovoltaik-Anlage ein. Der private Partner konstruiert den Windpark oder das Solarkraftwerk nach genauen technischen Spezifikationen, die in dem Kaufvertrag und dem Stromlieferungsvertrag festgelegt sind, an einem Standort, der ihm von ONEE oder MASEN zur Verfügung gestellt worden ist. Die gesamte Energieproduktion wird ausschließlich an ONEE zu einem festen, indizierten Tarif verkauft. Nach Ablauf der Konzession werden alle Aktiva an ONEE bzw. MASEN zurückübertragen.

Derartige Konzessionsverträge beinhalten eine Reihe von Sicherheiten für die Sponsoren und Investoren, die an dem Projekt beteiligt sind: dingliche Rechte auf die Aktiva, Bezahlung des gelieferten Stroms im Einspeisezeitpunkt, selbst wenn dieser nicht abgenommen wird, Entschädigungsansprüche für den Fall einer vorzeitigen Kündigung, Standortgarantien, etc.

Auf diesem Modell basieren die wichtigsten EEE-Projekte, die zur Zeit in Marokko geplant sind oder bereits entwickelt werden: Tarfaya (300 MW), Koudia al Beida (50 MW), Ouarzazate (160 MW), Taza (150 MW).

Das zweite Modell ist im Gesetz Nr. 13-09 betreffend Erneuerbare Energien verankert und ermöglicht es jedem privaten oder öffentlichen Energieerzeuger, direkt mit einem Großkunden einen Langzeitvertrag über die Lieferung von Strom abzuschließen. Durch dieses Gesetz wurde die Energieproduktion zu Geschäftszwecken autorisiert. Allerdings setzt das Gesetz Nr. 13-09 für Projekte von mehr als 2 MW eine Genehmigung des Bergbauministeriums voraus, die nur selten erteilt zu werden scheint, da der Staat befürchtet, sein Netz könne nur einen begrenzten Anteil an auf diese Art gewonnen Strom aufnehmen.

Das dritte Modell betrifft die Eigenproduktion und ist auf eine installierte Leistung von 50 MW begrenzt. Dieses Modell wird in bestimmten Industriezweigen genutzt und soll dazu dienen, die eigenen Energieausgaben zu reduzieren. Im Gegensatz zum vorherigen Modell ist der Kunde hier gleichzeitig Erzeuger und die Energie muss nicht transportiert werden.

Zweifelsohne ist die Entwicklung von Wind- und Sonnenenergieprojekten in Marokko außerordentlich dynamisch. Jedoch sind die marokkanischen Behörden noch sehr zurückhaltend, was die Genehmigung von rein privaten Projekten auf der Grundlage des Gesetzes Nr. 13-09 angeht, sodass ein Großteil dieser Entwicklung nach wie vor auf dem Konzessionsmodell beruht.

Quelle: ADAMAS

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