Das neue marokkanische Gesetz über Zahlungsfristen zwischen Kaufleuten

Nicht nur der europäische Gesetzgeber hat erkannt, dass lange Zahlungsfristen ein Risiko für das Gesamtwirtschaftsgefüge darstellen. So hat auch das Königreich Marokko ein Gesetz verabschiedet, durch das die Unsitte überlanger Zahlungsfristen zwischen Kaufleuten eingeschränkt werden soll. Das Gesetz Nr. 32-10 legt die maximalen Zahlungsfristen und den Verzugszinssatz fest.

Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes Nr. 32-10 wurden die Zahlungsbedingungen durch den Dahir vom 12 August 1913 über Schuldverhältnisse und Verträge („DOC“) und durch das Gesetz Nr. 06-99 über die Freiheit von Preisen und Wettbewerb geregelt. Bereits nach Artikel 54 des Gesetzes Nr. 06-99 war es Kaufleuten verboten, Vertragspartnern missbräuchlich lange Zahlungsfristen aufzuoktroyieren, die nicht durch tatsächliche Gegenleistungen gerechtfertigt waren.

Gegenstand des neuen Gesetzes über die Begrenzung von Zahlungsfristen sind ausschließlich Geschäfte im B2B Bereich, also nicht solche, die ein Kaufmann gegenüber einem Verbraucher vornimmt. Auch Beliehene, die öffentliche Aufgaben in privatrechtlicher Form ausführen sowie juristische Personen des öffentlichen Rechts fallen in den Anwendungsbereich des Gesetzes.

Unabhängig von der betroffenen Branche dürfen die Parteien fortan keine Zahlungsfristen mehr vereinbaren, die länger als 90 Tage sind. Eine vertragliche Bestimmung, die eine längere Zahlungsfrist vorsieht, ist unwirksam. Darüber hinaus muss damit gerechnet werden, dass Verstöße gegen das Gesetz Nr. 32-10 durch die Verhängung von Bußgeldern geahndet werden.

Sofern vertraglich nichts vereinbart wurde, gilt automatisch eine Zahlungsfrist von 60 Tagen.

Der Verzugszins darf künftig nicht unter dem aktuellen Leitzins der Bank Al-Maghrib (zur Zeit 3%) zuzüglich 7 Prozentpunkte liegen, also momentan nicht unter 10 % pro Jahr. Soweit kein davon abweichender Verzugszins vereinbart wurde, gilt dieser gesetzliche Mindestverzugszins.


Verzugszinsen können ohne Einhaltung irgendwelcher formaler Anforderungen geltend gemacht werden. Jede vertragliche Bestimmung, durch die ein Lieferant auf Verzugszinsen verzichtet, ist unwirksam. Verzugszinsen können nur innerhalb von einem Jahr ab Zahlung der Hauptschuld geltend gemacht werden.

Grundsätzlich gelten die Zahlungsfristen vom Tag der Lieferung oder der Erbringung der Dienstleistung an. Jedoch können die Parteien auch vereinbaren, dass die Zahlungsfrist erst mit der Rechnungsstellung beginnen soll, jedoch darf die gesetzliche maximale Zahlungsfrist von 60 Tagen ab Lieferung nicht überschritten werden.

Das Gesetz Nr. 32-10 findet auch auf Leistungen Anwendung, die im Rahmen von Dauerschuldverhältnissen erbracht werden, selbst wenn der entsprechende Rahmenvertrag, beispielsweise ein Handelsvertreter- oder Vertragshändlervertrag, schon vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes abgeschlossen worden war. Das Gesetz gilt insbesondere auch für internationale Verträge mit einem marokkanischen Leistungserbringer, unabhängig davon, ob der Vertrag marokkanischem Recht untersteht oder nicht.

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